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Nordkurier über Theo Bauer 14.11.2012

Auf Theos „Popometer“ ist in jedem Fall Verlass
Von unserem Redaktionsmitglied Florian Ferber
Von Malchin nach Kiel:
Theodor Bauer hat sich mit seinen 17 Jahren bereits einen Namen unter den Seglern der Region gemacht und ließ bei der Kieler Woche 2012 auch unter internationaler Konkurrenz aufhorchen. Nun trainiert er
im Olympiazentrum Schilksee für weitere Aufgaben.
MALCHIN. Auf den Allerwertesten kann sich Theodor Bauer verlassen. Sein „Popometer“ hat ihn bisher selten im Stich gelassen. Was oft nur sehr erfahrene Segler besitzen, ist dem 17-Jährigen offenbar in
die Jolle gelegt: Das Gespür im Wettkampf dafür, ob es läuft oder nicht, wie das Boot im Wind liegt, ob das Segel richtig steht. Gefragt sind ferner Allrounder-Qualitäten. „Ich muss körperlich sehr fit und in der Lage sein, klar zu denken, ganz viel auf einmal machen und ständig in Bewegung sein. Dazu Gegner und
Wetterverhältnisse nie aus den Augen lassen“, beschreibt der gebürtige Malchiner das Anforderungsprofil
für seinen Sport, bei dem Wasserscheue von vornherein schlechte Karten haben.
Unfreiwillige Planscher gehören dazu
Den einen oder anderen unfreiwilligen Planscher musste aber auch Theo Bauer in seinen Anfangszeiten
schlucken. Damals, mit sechs Jahren, meldeten ihn seine Eltern beim SSV Einheit Teterow an, nachdem der Filius auf der familieneigenen Ixylon- Jolle die ersten Handgriffe erlernte. Bruno Martens und Dietmar Ebert hießen die Trainer, die dem Talent im Optimisten auf dem Teterower See Segel-Basics wie Geradeausfahren und Wendemanöver beibrachten. Nach vier Jahren und einigen gewonnen Wettfahrten
auf Landesebene war es Zeit für eine Veränderung – vor allem, weil die Trainingsgruppe das Niveau des Peenestädters nicht mitgehen konnte. „Da bin ich zum Röbeler Segelverein Müritz und zu Coach Theo Jacob gewechselt, wo ich auch viel gelernt habe und mich alle noch heuteunterstützen“, erinnert sich
Theo Bauer. Dem neuen Verein, für den er deutschlandweit Regatten segelt, folgte im Sommer 2009 ein neues Boot: Laser Radial, eine der deutschen Jugendbootsklassen. Keine problemlose Umstellung.
„Das Segel war auf einmal viel größer, ich hatte viel mehr zu tun. Außerdem haben zu dem Zeitpunkt meine
Körpermaße nicht ausgereicht, ich war nicht groß und schwer genug. Mittlerweile hat es sich aber eingespielt.“ Und wie. Bei der prestigeträchtigen Kieler Woche in diesem Jahr sah die internationale
Konkurrenz im erstmals in der Laser-Radial-Klasse ausgetragenen Rennen auf der Ostsee nur das Heck von Theo Bauers Segler. Noch wichtiger, so der 17-Jährige, sei für ihn sein Abschneiden beim Young European Sailing in Kiel gewesen. Denn bei der größten europäischen Jugend-Regatta kam er als erster
Deutscher und Gesamt- Zweiter durchs Ziel. „Damit war ich als erster Deutscher
für die Jugend-WM in der Dublin Bay in den vergangenen Sommerferien qualifiziert. Dort wurde ich am Ende 20. von 60 Teilnehmern. Das Niveau war deutlich höher als bei der Kieler Woche.“ Doch auch abseits dieser Erfolge könnte das Jahr 2012 ein entscheidendes in der sportlichen Entwicklung von Theo Bauer werden. Denn dessen erfolgreiche Regatten blieben auch dem Bundesnachwuchstrainer nicht verborgen.
Und so besucht der Malchiner nun seit Schuljahresbeginn das Internat im Haus der Athleten in der
schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt und wird nachmittags am Olympiazentrum Kiel-Schilksee trainiert. Jeden Wochentag geht es, solange es hell ist, in einer Vierergruppe raus auf die Förde – inklusive
Manöverkritik auf dem Wasser und späterer Videoauswertung. Danach folgen einige Mucki-Einheiten im
Kraftraum. „Mein Vater und ich hatten am Anfang Bedenken wegen der hohen körperlichen und mentalen Belastung. Diesen Leistungssport habe ich ja vorher nicht gemacht. Aber die Umstellung klappt bisher erstaunlich gut“, sagt Theo Bauer.
Langfristiges Ziel: Angriff auf die Weltspitze
Die Segel für neue Aufgaben– seit diesem Herbst in der olympischen Bootsklasse Laser Standard – sind gesetzt. Und die Vorhaben sind groß.Beruflich Abitur 2014 und anschließend Studienplatz, peilt Theo Bauer längerfristig den Angriff auf die Segel-Weltspitze an. Ziel des Bundestrainers für diese Altersgruppe ist die Olympiade 2020, bei der allerdings nur ein Deutscher teilnehmen kann. Näher liegen die Pläne für 2013, wo unter anderem bei der kombinierten Jugend-WM und EM am Balaton ein Platz unter den ersten
30 Europäern angepeilt ist, um den Kaderstatus im deutschen Seglerverband und damit eine höhere Förderstufe zu erreichen. Einen Sponsor hat Theo Bauer nämlich noch nicht gefunden – ebenso wie einen
Namen für sein Boot, zu dem auf hoher See und im stressigen Wettkampf zwangsläufig
eine Beziehung entsteht. „Ich spreche mit ihm in meinem Kopf und haue auch mal drauf, wenn es nicht läuft“,sagt Theo mit einem Schmunzeln. Denn das sei vielleicht seine größte Schwäche: Niederlagen
zu verkraften. Jedenfalls solange, bis das „Popometer“ wieder ausschlägt.
Kontakt zum Autor des Artikels :f.ferber@nordkurier.de




 
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